 |
 |
|
Wer nicht lange im Bauch bleiben wollte:
Im siebten Monat hielt ich es einfach nicht mehr aus, kämpfte mich am 9. 5. 77 in Turin heraus, gab mir den Namen Sarah
und wollte nach 3 Wochen Aufbewahrung im Kühlschrank (übersetztes Zitat meiner Mutter meinem kalifornischen Freund gegenüber, sie meinte
|
|
|
 |
Inkubator, sagte “fridge”) endlich damit beginnen, die große, weite Welt zu erkunden.
Was vom Studium übrigblieb: Magistra Artium der Sprachwissenschaft des Deutschen (Nebenfächer Geschichte und Soziologie), TEFL-Certificate und mein ...
Beruf: Deutsch-als-Fremdsprache- und Englischlehrerin.
Wer in Weilheim i. Obb. blieb: Meine Familie, die ich wie folgt charakterisieren würde: vor allem groß, reiselustig und wintersportaktiv. Dauerte immer 2-3 Stunden, bis alle im Auto waren und wir aufbrechen konnten. Meine kleine Schwester Lilith (9) macht gerade die Pferdephase durch, mein Bruder Lukas (17) ist bei der politischen Phase angelangt und spielt gern Theater, die zwei Ältesten, Simon (21) und Daniel (24), sind schon so lang ich sie kenn in der Computerspielundhoffentlich kommichinszehnte- levelphase.
|
 |
 |
|
Warum ich lieber nach China radeln will anstatt zu Hause zu bleiben: Modisch: Ist im Trend. Steht sogar auf dem Breuninger-Katalog für die Frühjahrsselektion: “Der Sonne entgegen”. Hätten wir uns gleich
patentieren lassen sollen, den Slogan. Und bei H&M werden Schleier, Schals und Burkas verkauft à la orientale. Mal gucken, vielleicht sind im Iran jetzt Schlaghosen und einträgerige Tops in. Also
pure Neugier und Abenteuerlust. Physisch: Die eigenen Grenzen erreichen. Psychologisch: Eskapismus, dem Ernst des Lebens davonradeln. Oder Penisneid. Neurologisch: Neue Vernetzungen der Gehirnströme. Materialistisch: Jetzt habe ich schon so viel Geld gespart, also muss ich es ausgeben. Glaubwürdigkeit: Hab schon allen davon erzählt, no more way to chicken out. Politisch: Wir werden eine radelnde demokratische Keimzelle. Ökonomisch: Wir
kurbeln die Wirtschaft an, indem wir unser Geld nicht mehr auf Nummernkonten in der Schweiz verschwinden lassen, sondern es volle Kanne ausgeben,
... und weil es mir das Saxophon des Musikers unter der Dreisambrücke zuraunte, und weil mich 500 Meter weiter der herabfallende Ast nicht
getroffen hat.
|
|
|
|