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Am nächsten Morgen war der Wind nicht besser, aber immerhin kam ich heute in ein neues Land! Ich konnte mir kaum vorstellen, dass es mir noch besser gefallen würde als Namibia, als Wüstenfan war ich
restlos davon begeistert. Immerhin kannte ich Süd-Afrika ja schon, wenn auch nur per Auto und eine andere Gegend. An der Grenze brauchte ich 2 Stunden. Nicht weil ich Schwierigkeiten mit dem Pass hatte, sondern weil
mich die Grenzer nicht gehen lassen wollten bevor einer seine Kamera geholt
und die gesammte Mannschaft ein Foto mit mir und dem Rad gemacht hatte. Auf die Frage nach dem weiteren Weg hieß es mal wieder: Immer bergab bis Kapstadt!?! Also fragte ich einen Truckfahrer, die mit ihren schweren Maschinen Steigungen besser bemerken als Autofahrer, die einfach ein bisschen mehr Gas geben. Auskunft: Die nächsten 40 Kilometer stetig bergauf! Also los. Gegenwind hatte ich noch immer, es fing an zu regnen und langsam fiel meine Stimmung mehr und mehr.
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. Irgendwann kam ich völlig fertig in Steinkopf an und mietete mich in ein Appartment ein. Nagelneu, wunderschön, billig, mit eigener Küche! Also erstmal einkaufen. In Steinkopf leben viele Schwarze,
und mir gingen die Warnungen der vielen weissen Südafrikaner in Namibia wieder durch den Kopf. Ich wurde ein paarmal schief angeschaut, und dann kam auch schon der Ruf: “Hey Whitie!” Tja, was nun? Ich hielt an und
ärgerte mich über mich selbst, dass ich Angst hatte vor Menschen, die ich noch nie gesehen hatte und die mir nichts getan hatten.
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Der, der gerufen hatte, kam auf mich zu, gab mir die Hand und fragte, ob er mir helfen könne. Verdammt, ich bin schon durch die ganze Welt gereist, und trotzdem falle ich noch auf Vorurteile anderer
herein. Zum Kotzen! Er zeigte mir zuerst die Post, von wo ich mal wieder zu Hause anrufen konnte, dann den Supermarkt und lud mich schließlich noch zu einer Cola ein. Auf dem weiteren Weg, auf dem ich öfters in
ehemalige Hometowns fuhr, um Wasser zu tanken, begegnete man mir immer mit Freundlichkeit. Auch das Thema Apartheid wurde nicht totgeschwiegen, sondern auf sehr sachliche Art und Weise mit mir diskutiert.
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Von Steinkopf gings dann nach Springbock weiter. Ich hatte es die ganze Zeit gehofft und durfte es jetzt wirklich erleben: Die blühende Wüste des Namaqualandes! Einen Monat im Jahr blüht hier die Wüste,
Millionen von Wildblumen bilden einen bunten Teppich. Und da radelte ich jetzt durch. Mit Worten ist das nicht zu beschreiben und auch Bilder können nicht wiedergeben, wie man sich fühlt, wenn man bis zum Horizont
nur Blumen sieht. Absoluter Wahnsinn!
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Gegen Abend kam ich dann nach all dem Farbenrausch in Springbock an, wo ich auf einem Camping-Platz mit Swimming-Pool unterkam! Endlich mal wieder richtig einweichen. Das Wetter war gut, und in der Nähe
von Springbock ist ein Natur-Reservat mit vielen Tieren und extra MTB-Trails!
Mal wieder ohne Gepäck schön querfeldein fahren, ich konnte es kaum erwarten. Doch am nächsten Morgen regnete es wie aus Kübeln, und so wurde nix daraus. Auch der nächste Tag zeigte keine Besserung, bei dem Wetter zu radeln war Schwachsinn. Allerdings drängte die Zeit, also nahm ich einen Bus. Schande über mich!
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Nach 80 km im Bus hielt ich es nicht mehr aus, ich bat den Busfahrer anzuhalten und
schwang mich wieder auf mein Rad. Der Regen hatte etwas nachgelassen, und wie zur Belohnung hörte er nach 2 Stunden ganz auf. Mein Weg führte jetzt auf der N7 direkt auf Kapstadt zu. Das bedeutete viel Verkehr, und so entschloß ich mich in Clanwilliam wieder von der Straße runter und in die Cederbergs zu fahren. Kein Asphalt mehr, aber dafür wieder Einsamkeit und Ruhe. Und fantastische Natur. Von Wüste war hier nix mehr zu sehen, zum Teil sah es aus wie in Skandinavien, der Schweiz oder anderen wasserreichen Gebieten. Alles blühte. Und überall Orangenplantagen. Von denen darf man soviele Essen wie man will, nur einpacken darf man keine. Kein Problem. Unter so einem Orangenbaum kann man es lange aushalten. Vor Vitaminmangel musste ich definitiv keine Angst mehr haben!
In Citrusdal beschloß ich noch vier Pässe in meine Tour einzubauen. Zwei einheimische Radler hatten mir von der Tour vorgeschwärmt.
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Middleberg-Pass; Gydo-Pass Mitchell-Pass; Bains Kloof
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Der Middlebergpass war ungeteert, was ich ja eh lieber fahre. Mir wurde allerdings schnell klar das 1000 Hm mit Gepäck auf mieser Piste etwas anderes sind als nur mit MTB über die Pässe. 26 km zum Teil
sehr steil bergauf mit dem Wissen, dass noch ein zweiter Pass am selben Tag und weitere 90 km warten ist nicht wirklich witzig. Die Natur allerdings war spektakulär, das Wetter perfekt und so legte ich den kleinsten
Gang ein und radelte vor mich hin. Als ich den Pass geschafft hatte, ging es wieder ca 200 Hm abwärts und dann auf einer tollen Hochebene Richtung Süden. Die Angst vor dem Gydo-Pass hätte ich mir sparen können, von
meiner Seite aus ging die inzwischen geteerte Straße nochmal 200 Hm hoch, um dann 900 Hm steil abwärts zu führen. Unten sah man schon Cerres, ich hatte Hunger und die Kurven waren schön geschwungen und nicht zu
aprupt. Also Bremsen los und ab. Mit dem schiebenden Gepäck schaffte ich über 100 km/h! Allerdings liefen meine alten Cantilever-Bremsen heiss. In Cerres gönnte ich mir ein Zimmer, da ich wußte, dass am nächsten
Morgen zwei weiterePässe auf mich warten würden.
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Der Michell-Pass war wiederrum eine angenehme Überraschung, mehr ein Hügel denn ein Pass. Dahinter ging es wieder steil bergab, so dass ich die ersten 60 km des Tages in unter 2 Stunden schaffte. Dann
wartete der Bains Kloof auf mich. Der war allerdings zu schön um anstrengend zu sein. Die Straße ist fantastisch angelegt, schlängelt sich durchs Tal und gewinnt langsam an Höhe. Verkehr war auch keiner, herrlich.
Nur die Paviane beunruhigten mich etwas. Ich hatte auf meinen Lowrider ein paar Bananen geschnallt, da ich sie nicht mehr ins Gepäck bekommen hatte, und da diese Affen dauernd von Touristen gefüttert werden, dachten
sie gar nicht daran, die Straße bei meinem Erscheinen freizumachen. Ich musste also bananenbepackt um die Affen Slalom fahren. Irgendwie waren diese plötzlich viel größer, hatten längere Zähne und klangen viel
bedrohlicher als die die ich immer scheu von der Straße hatte wegrennen sehen. Aber ich kam durch, ohne eine einzige Banane einzubüßen!
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Von nun an ging es durch Weingebiet. Als Biertrinker ist das nicht so prickelnd, vor allem da ich schon einmal vor 4 Jahren hier war. Also fuhr ich ziemlich schnell Richtung Stellenbosch, wo ich dann
auch übernachtete. Am nächsten Tag kam ich am Atlantik an... und bekam gleich eine volle Breitseite Gegenwind. Trotzdem war es toll, am Meer entlangzuradeln, vor allem da nur 100 Meter vom Strand entfernt mindestens
20 Glattwale unterwegs waren! Endlich wieder Wale, auf die hatte ich mich gefreut. Auch andere Bekannte von früher wollte ich noch besuchen, die Pinguine in Simon´s Town. Eine kleine Kolonie, die sich hier
angesiedelt und nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den Menschen eine Heimat gefunden hat. Vor vier Jahren waren hier noch keine Wege für Touristen angelegt, man ging einfach zum Strand und hat den Pinguinen aus
diskretem Abstand zugeschaut. Heute gibt es Plattformen und Treppen und was weiß ich, damit auch die Lady mit den Stöckelschuhen einen Blick erhaschen kann. Ich hab mich dann in eine kleine Bucht verzogen, wo auch
ein paar der Gesellen unterwegs waren. Jetzt stand nur noch die letzte Etappe bis zum Kap der guten Hoffnung an. 20 Kilometer vor dem Ziel hatte ich so extremen Gegen -und Seitenwind, dass ich ab und zu absteigen
und mein Rad hinlegen musste, sonst hätte mich der Wind mitgenommen. Aber dann hatte ich es geschafft! Nach 1820 km in 4 Wochen stand ich am Ziel. Der Rückweg auf der westlichen Seite des Kaps war klasse, der
Gegenwind war nun Rückenwind und schob mich mit 40 km/h vor sich her, ohne das ich treten musste. In Kommetje, einem kleinen Dorf, in dem ich vor vier Jahren für eine Woche mit meiner damaligen Freundin Judith
gewohnt hatte, machte ich nochmal Pause und wurde vom Direktor der Schule zu sich nach Hause zum Tee eingeladen. Er war mit dem Rennrad an mir vorbei gefahren und hatte mich in ein Gespräch verwickelt. Nach 2
Stunden suchte ich mir dann einen Campingplatz. Am nächsten Tag ging es über den Chapmannspeak-Drive nach Kapstadt. Ich kannte die Straße noch gut, hatte ich mir doch vor vier Jahren extra ein Motorrad geliehen,
um diese fantastische Küstenstraße richtig genießen zu können. Jetzt fuhr ich sie mit dem Rad, und das Beste war, dass keine Autos unterwegs waren. Sie war nämlich zu dem Zeitpunkt schon seit längerer Zeit gesperrt
aufgrund von Erdrutschen. Mit dem Rad war das kein Problem, ich hievte es über die Absperrung und hatte die ganze Straße für mich. Gegen 16 Uhr fuhr ich dann in Kapstadt ein... und zwar im strömenden Regen. Der
hörte auch nicht mehr auf bis zu meinem Abflug drei Tage später, aber das war auch egal. Kapstadt kannte ich schon, ich ging in die Gärten, ein paar Museen und entspannte mich ansonsten einfach.
Nach dieser Reise war klar: Ab jetzt nur noch mit Rad!
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