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Windhoek - Gamsbergpass - Solitaire - Sossusvlei - Schloss Duwisib - Helmeringhausen - Bethanien - Fishriver Canyon - AiAis - Noordoewer - Springbock - Clanwilliam - Midbergpass -
Gydopass - Cerres - Michellpass - Bains Kloof - Stellenbosch - Simon´s Town - Kap der guten Hoffnung - Chapmanspeak Drive - Kapstadt
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Windhoek - Kapstadt 04.09.- 08.10. 2001
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Die Idee zu dieser Tour entstand 2 Monate vor Start. Nachdem ich im Juni eine Alpenüberquerung auf dem MTB mit Freunden geschafft hatte (nur eine kleine), hatte ich Blut geleckt an dieser Art des
Reisens. Nachdem ich dann in mehreren Büchern gelesen hatte, dass diese beiden Länder für Radreise-Anfänger nicht zu empfehlen sind... stand mein Entschluss fest. Zwei Internetbekanntschaften die eine ähnliche Tour
schon gemacht hatten ermutigten mich, und so rüstete ich mein 10 Jahre altes Trek Singletrail 970 mit Gepäckträger und Lowrider aus, jobbte noch schnell 6 Wochen und buchte den Flug- Ich hatte im Internet
mehrfach gelesen, dass man für diese Strecke gut trainiert sein müsse, mindestens 10000km im Jahr radeln und so weiter. All denen, die das lesen und denen diese Zahlen Angst machen, kann ich sagen, dass ich noch nie
mehr als 3000km in einem Jahr geradelt bin, und die zwei Monate vor dem Start musste ich wegen Knieproblemen auf jeglichen Sport verzichten. Und es wurde trotzdem eine unglaublich tolle und in gewisser Weise
enspannende Tour!
Bevor es los ging, hatte ich mir für drei Tage ein Auto gemietet um mir Swakopmund und ein paar Naturschönheiten anzuschauen. Als ich dann auf dem Rad saß, wackelte ich mit 18 kg Gepäck, 15
Litern Wasser und meinen 78 Kilo los Richtung Gamsbergpass. Ich brauchte zwei Tage über eine ziemlich miese Piste. Das dauernde hoch und runter war nicht das Problem, aber wenn man bergauf schwitzt und aufgrund der
schlechten Piste das Rad auch bergab nicht schneller als 15 km/h rollen lassen kann, ist das zum Teil schon frustrierend. Da is nix mit Schwung holen! Es war aber trotzdem von Anfang an klasse, und als sich erstmal
mein Hintern wieder an den Sattel gewöhnt hatte und in meinem Kopf wieder andere Gedanken Platz fanden als: “HoffentlichhältmeinKnieHoffentlichhältmeinKnieHoffentlichhältmeinKnie”, war es einfach nur noch
wunderschön. Auf dem Gamsbergpass machte ich dann einen Tag Pause bei Hakos Gästefarm, guter Camping-Platz und nette Leute.Als nächstes Ziel stand Solitaire an, eine Tankstelle mit dem besten Apfelkuchen
Namibias! Das behaupte nicht nur ich, sondern auch mehrere Zeitungsartikel, die der Besitzer mir stolz präsentierte!
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Auf dem Weg bis Solitaire wurde ich immer wieder an die deutsche Vergangenheit Namibias erinnert.(siehe Bild 4: der Osten ist eine Wüste?) Anfängliche Ängste verschwanden schnell, es fuhr mindestens
jede 3. Stunde ein Auto durch, und nicht einer fuhr vorbei ohne zu fragen, ob man was braucht, ob ich okay bin, ob ich verrückt geworden bin oder ob er ein Foto von mir machen kann. Etwas annehmen ging gegen die
Ehre und Fotos durften natürlich gerne gemacht werden. Nur einer übertrieb es etwas, als er mich fragte, ob ich nochmal ein paar hundert Meter zurückradeln könne, damit er mein herannahen aufnehmen kann. Er war
sogar beleidigt, als ich ihm versicherte, dass mein Kopf von der Sonne noch nicht sooo aufgeweicht ist. Ansonsten war es einfach herrlich, absolute Stille, weiter Horizont, klare Luft, pures Glück. Und ich
konnte singen so laut ich wollte, zum erstenmal in meinem Leben wurde ich wegen den schiefen Tönen nicht ausgelacht.
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Zwischendurch kam es ab und zu zu einem Rennen gegen eine Herde Strauße oder einen Springbock. Ich verlor aber immer kläglich, die hatten einfach ein paar Gänge mehr als ich. Nachts wurde es noch
immer sehr frostig, ich hatte den falschen Schlafsack dabei, weshalb ich immer in Kleidern mit Mütze und Halstuch schlief, aber ansonsten war meine Ausrüstung okay, das Rad hielt und mein Knie auch, davor hatte ich
ja am meisten Angst gehabt. Irgendwann kam ich dann im Namib-Naukluft-Park an. Nachdem ich an dem Tag 110km geradelt war und mein Zelt bei einem deutschen Paar aufgestellt hatte, nahmen die mich im Geländewagen
noch mit zum Sonnenuntergang zu Düne 42. Die stiefelte ich auch noch hoch, obwohl meine Oberschenkel brannten wie Feuer, aber die Aussicht war es allemal wert. Unglaublich!
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Am nächsten Tag radelte ich dann die 60km geteerte Strasse bis zum Parkplatz von Sossusvlei. Von hier geht es nochmal 10 km durch tiefen Sand, mit dem Rad nicht machbar. Hin bin ich gelaufen, zurück
konnte ich auf einem Geländewagen mitfahren. Leider konnte ich durch das radeln weder den Sonnenaufgang noch den Sonnenuntergang miterleben. Aber es war auch so beeindruckend. Dieser Tag war übrigens der 11.
September. Dass es das World Trade Center nicht mehr gibt, erfuhr ich von dem deutschen Paar, die es über Weltempfänger erfahren hatten. Wir saßen die ganze Nacht vor dem Gerät und hörten die sich überschlagenden
Stimmen der Reporter. Es war völlig surreal, mitten in der friedlichen Wüste sitzend solche Nachrichten zu hören.
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Als ich am nächsten morgen aufwachte, tobte ein Sandsturm, der mein Zelt nach und nach mit pudrigem Sand füllte. Also war nix mit weiterradeln. Stattdessen verbrachte ich den Tag damit mein Rad zu
checken und zu pflegen. Das ich dabei nie alleine war zeigte mir, dass die Menschen auf der ganzen Welt neugierig sind. Dabei war interessant, dass die Weissen immer Fragen stellten wie: Was kostet dich die Tour?
Macht es Spass? Was sagen deine Eltern dazu? Warum machst du das? Die Fragen der Schwarzen zielten in eine ganz andere Richtung: Was bekommst du von der Regierung dafür? Wer sorgt für deine Familie? Und weitere
eher existentielle Fragen. Sie reagierten immer mit Ratlosigkeit und Unverständnis, wenn ich ihnen erzählte, dass ich kein Geld dafür bekomme sondern ausgebe und das ich es einfach aus “Spass” mache. Wenn ich ihnen
dann noch erzählte, dass ich mit 26 Jahren noch keine Familie habe, zeigten sie oft tiefe Betroffenheit. Sie glaubten meinen Beteuerungen nicht, dass ich freiwillig darauf verzichtete. Sie nickten immer nur,
flüsterten miteinander und kicherten dann mit einem wissenden Blick auf den harten Fahrradsattel! Mit ihnen konnte ich auch längere Gespräche führen, während die meisten Weissen nach kurzem oberflächlichen Gespräch
schnell das Interesse verloren. Nach einem kurzen “Nimm dich in Südafrika vor den Schwarzen in acht!” verschwanden diese meist.
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Vor allem viele Kinder kamen vorbei, denen ich dann ihre Räder ölte und reparierte soweit es ging. Das interessanteste war für sie die Klingel, und die meist gestellte Frage war, ob ich Diesel oder
Benzin tanke. Nach anfänglicher Ratlosigkeit meinerseits zeigten sie auf meine 4 am Rahmen befestigten Wasserflaschen. Ihrer Meinung nach fuhr ich ein Moped, ein Irrtum, welcher mir auch meistens an den Tankstellen
begegnete wenn ich mal wieder meinen Benzinkocher füllen musste. Nachdem ich ihnen gezeigt hatte, dass sich Wasser in den Flaschen befand, glaubten sie mir endlich. Am nächsten Tag ging es weiter, diesmal auf
einer sehr kleinen Piste, auf der mir die nächsten 3 Tage kein einziges Auto begegnete.
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Und obwohl ich frisch ausgeruht war, hatte ich hier die meisten Probleme meiner gesamten Tour. Bereits um 16 Uhr baute ich mein Zelt auf, da mein Körper völlig verrückt spielte. Der Puls ging zum Teil
bis auf 180 hoch, mein Magen verweigerte seine Arbeit, schlimmes Kopfweh und einfach Schlappheit. Nachdem ich eine Suppe gegessen hatte, die in Rekordzeit meinen Darm durchlief, legte ich mich ins Zelt. Bis um 3 Uhr
nachts blieb mein Puls über 120 und ich musste alle 10 Minuten raus, um mich zu übergeben. Danach beruhigte sich mein Körper endlich. Am nächsten Morgen fühlte ich mich zwar noch müde, aber ansonsten ging es
wieder. Also weiter. Zwei Tage später kam ich an eine Tankstelle an der ich erstmal sämtliche Scholade -und Colavorräte aufkaufte. Hier war eine Kreuzung, an der ich mich entscheiden musste, ob ich Schloss Duwisib
einen Besuch abstatten sollte oder nicht. Das Schloss wurde Anfang letzten Jhdts von einem Deutschen mitten in die Wüste gebaut.
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Eigentlich interessieren mich solche Dinge ja nicht besonders, aber dann hörte ich, dass es da doch etwas besonderes gibt, das für mich von Interesse ist: Apfelkuchen! Also nix wie los.
Inzwischen war ich in einem Gebiet, in dem auch wieder Viehwirtschaft betrieben wurde, deshalb musste ich mehrere Viehherden umfahren, da mich der Leitbulle immer sofort ins Visier nahm. Da ich schon einmal von
einem solchen Riesen verfolgt worden war und ich auch ihre Sprintstärke nicht mehr unterschätze, fuhr ich lieber um sie herum. Nach 40 km stand dann dieses Gebäude vor mir (Bild 13). Ich fuhr auf direktem Wege
rechts daran vorbei direkt zu einem kleinen Cafe und aß einen halben Apfelkuchen. Dann stellte sich die Frage, ob ich den Rest des Tages verschenken und auf dem Campingplatz zelten sollte, oder lieber noch
weiter radeln?
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. Nach einem kurzen Gespräch, bei dem mir versichert wurde, dass es eigentlich nur noch bergab ginge bis Kapstadt (???) machte ich mich auf den Weg... und kam erstmal zu einer saftigen Steigung auf mieser Piste.
Nachdem ich mich unter heftigsten Flüchen da hoch gearbeitet hatte lief es aber hervorragend, die Piste wurde besser und ich schaffte bis Einbruch der Nacht nochmal 70 km. 5 km ging es noch durch tiefen Sand, wie
auf Bild 14 zu sehen, aber ansonsten war es klasse!
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Nach einer ruhigen Nacht im Zelt ging es dann auf einer Hauptpiste weiter. Hauptpiste bedeutet gut gewalzt.
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Deshalb war ich auch schon um 14 Uhr in Hermeringhausen, der ersten richtigen Ortschaft seit Windhoek.
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Richtige Ortschaft bedeutet: Hotel, Post, kleiner Laden und ca 20 Häuser. Das Ganze erinnerte mich an eine Westernstadt, der Wind der mich vor sich her getrieben hatte wehte den Staub auf und auch ein
paar Sträucher vor sich her. Von dieser Stimmung ziemlich beeindruckt ging ich ins Hotel/Restaurant:
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Was darfs sein? Apfelkuchen. Einen doppelten! Woher kommst du, Fremder? Aus der Wüste, wo die Sonne brennt und die Radreifen schmelzen.
Darf ich dich zu was zum trinken einladen?
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Ich sag dir was, für eine kalte Cola wäre ich dir verdammt dankbar.
Dann wollte ich in einen Spucknapf spucken, aber da erstens keiner da war und ich zweitens vom Wüstenwind einen völlig ausgetrockneten Mund hatte, musste ich das leider sein lassen. Zumindest griff ich
mir beim Rausgehen noch kurz in den Schritt, schob meinen Hut ins Genick, blinzelte der 60jährigen Gattin des Besitzers vielversprechend zu und murmelte einem Opa in der Ecke ein “So long, Cowboy” in die Ohren.
Nach meinem Apfelkuchen fuhr ich dann noch bis kurz vor Bethanien auf einen kleinen netten Zeltplatz mit !!!warmer!!! Dusche, um nach langer Zeit dann am nächsten Tag wieder mal auf Asphalt zu treffen. Ich hab
mich ziemlich gefreut... wie man vielleicht auf Bild 16
erkennen kann. In Bethanien gibt es einen Laden, der so groß ist, dass man in ihm sogar einen Einkaufswagen herumschieben kann! Hab ich auch gemacht, und die eingekauften Dinge habe ich dann mit den Kindern draussen geteilt, da es mal wieder viel zuviel Schokolade war. Von hier ging es die nächsten drei Tage bis zum Fishriver Canyon, 2 Drittel waren geteert, danach wurde die Straße wieder zur Piste.
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Hier auf dem Camping-Platz traf ich Felix aus Frankfurt, der mit einem uralten Daimler-Benz durchs südliche Afrika zog. Für drei Tage taten wir uns zusammen, schliesslich hatten wir nicht nur dasselbe
Zeltmodell, was natürlich verbindet, sondern freuten uns auch wie verrückt, jemanden gefunden zu haben, mit dem man grillen konnte. Der Fish-River-Canyon war leider für Wanderungen gesperrt, und so machten wir uns
nach zwei Tagen zu den Ai-Ais auf. 80km, Felix brauchte eine, ich 6 Stunden, aber egal. Hier gibt es nichts ausser heissen Thermalquellen, wir waren sicher 20 Jahre unter dem Altersdurchschnitt, aber das Wasser war
trotzdem spitze. Danach ging es dann weiter Richtung Süden, auf geteerter Straße. 100 km bis Noordoewer, der Grenzstadt zu Südafrika. Es ging sogar bergab... allerdings hatte ich furchtbaren Gegenwind, ich musste
zum Teil vorne auf das kleinste Kettenblatt schalten um noch einigermaßen rund treten zu können. Dementsprechend fertig war ich, als ich am Oranje-River ankam, ich baute mein Zelt im Hintergarten einer Familie auf,
aß etwas und schlief um 20 Uhr ein.
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